Geschichte

Historisches Journal

26. April 1945: Befreiung Bremens

Vor 70 Jahren rückten britische Einheiten in Bremen ein. Drei Tage dauerte es von der Besetzung Habenhausens in der Nacht vom 24. auf den 25. April bis zur Kapitulation des letzten Kampfkommandanten in der Nacht vom 26. auf den 27. April. Anfang Mai erreichten die Briten auch Bremen-Nord. Sie stießen auf eine weitgehend verlassene Bunkerbaustelle. Die Arbeiten am Bunker waren bereits kurz nach den Angriffen Ende März eingestellt worden. In den Lagern lebten nur noch einige ausländische Zwangsarbeiter. Das KZ-Außenlager war bereits am 10. Und 11. April geräumt worden. Die SS hatte die Häftlinge auf Todesmärsche in das Stammlager Neuengamme geschickt und das Kriegsgefangenenlager Sandbostel bei Bremervörde geschickt. Gerade in Sandbostel herrschten katastrophale Bedingungen. Von den 9 000 Häftlingen, die aus ganz Norddeutschland nach Sandbostel gebracht wurden, starben bis Kriegsende 3 000. Die Häftlinge, die das Stammlager Neuengammer erreichten, wurden weiter nach Norden getrieben und in Lübeck an Bord der „Cap Arcona“, der „Thielbeck“ und er „Athen“ gebracht. Die britische Luftwaffe hielt diese Schiffe versehentlich für deutsche Truppentransporter und versenkte die „Cap Arcona“ und die „Thielbeck“. Von den 7 000 Häftlingen überlebten gerade einmal 400.

Der zerstörte Innenraum des Bunkers, fotografiert von britischen Einheiten Anfang Mai 1945 © Denkort Bunker Valentin/LzpB

Die Häftlinge des Arbeitserziehungslagers erlebten die Befreiung auch nicht in Farge. Am 7. April begann für sie auf Befehl der Bremer Staatspolizeistelle ein Marsch nach Kiel. Dort wurden sie am 3. Mai von alliierten Truppen befreit.

Als die britischen Truppen Bremen-Nord erreichten, stießen sie – anders als kurz zuvor bei der Befreiung des KZ Bergen Belsen – nicht mehr auf ausgemergelte und schwer kranke Häftlinge, die  von den Bedingungen in den Lagern und auf der Bunkerbaustelle berichten konnten.  Deshalb nahmen sie die Bunkerbaustelle auch nicht als Ort der Kriegsverbrechen und Massenmorde war, wie zum Beispiel das KZ Bergen Belsen. Deshalb konnte der Bremer „Weser-Kurier“ den Bunker auch schon in den frühen 1950er Jahren als „8. Weltwunder vom Weserstrand“ bezeichnen. Der Bunker war kein Ort des Verbrechens mehr, sondern eine Sehenswürdigkeit.

Die Verantwortlichen für den Bunkerbau wurden nicht belangt. Die Ingenieure gründeten erfolgreiche Büros und profitierten von den technischen Erfahrungen aus Farge. Einer von Ihnen, Diplomingenieur Arnold Agatz, wurde Hafendirektor in Bremen. Auch die Wachmannschaften der Lager kamen ungeschoren davon. Es gab nur einen einzigen Prozess. Im Curio-Haus in Hamburg wurden 1947/1948 zwölf ehemalige Wachmänner und Offiziere vor Gericht gestellt. Die Höchststraße betrug fünf Jahre. Damit war das Kapitel Bunker „Valentin“ für die Justiz beendet.

Die ehemaligen Häftlinge, die den Bunkerbau überlebt haben, hat diese Zeit dagegen nie losgelassen. Die meisten von ihnen litten oder leiden bis heute unter den traumatischen Ereignissen zwischen 1943 und 1945. 

 

 

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