Geschichte

Historisches Journal

Vor 30 Jahren: Einweihung des Denkmals auf dem Platz vor dem Bunker

Zeremonie zur Einweihung mit der Fahne der ehemaligen französischen Häftlinge aus Neuengamme
© Landesbildstelle Bremen Bild

Denkmal-Aufstellung im September 1983
© Landesbildstelle Bremen

F. Stein mit Modell bei den Formen für das Denkmal, 1983, Quelle: Nachlass R. Habel
© Denkort Bunker Valentin/LzpB

Bildmitte: Die Redner der Veranstaltung (v.l.n.r.) Bürgermeister Hans Koschnick, André Migdal, ein ehemaliger Häftling sowie Renée Aubry, die damalige Präsidentin der Amicale Internationale de Neuengamme, Quelle: Nachlass R. Habel © Denkort Bunker Valentin/LzpB

Auf dem kleinen Platz vor dem Eingang zum Denkort Bunker Valentin wurde am 17. September 1983 das Kunstwerk des Bremer Bildhauers Friedrich Stein (1920-2003) eingeweiht. Dieser Platz, auf dem heute das Denkmal steht, war seinerzeit einer der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte der Bunker-Baustelle. Verkehre auf Schiene und Straße liefen dort zusammen. Vor allem aber ist dieser Platz für die Einteilung der Gefangenen zu den jeweiligen Arbeitskommandos genutzt worden. Hier kamen die Marschkolonnen der Gefangenen an und hier verließen sie diesen Ort nach zehn- bis zwölfstündigen Schichten wieder. Hier wurden die Häftlinge gezählt und nicht selten auch für angebliche Vergehen bestraft.

Wie der Bunker Valentin besteht auch das Denkmal aus Stahlbeton . Es zeigt in seiner eindeutigen Formensprache Menschen, die von den Massen eines gebrochenen Pfeilers zerdrückt werden. „Der Künstler weist damit direkt auf die Opfer, die dieser Bunkerbau von babylonischem Ausmaß gefordert hat, indirekt hat er ein Gleichnis geschaffen für die Situation von Menschen, die einer von Menschen ersonnenen Todesmaschinerie ausgesetzt sind“ (Dr. Hans-Joachim Manske).

Der Künstler Friedrich Stein war unfreiwillig zum Soldaten der Wehrmacht geworden und nach dem Zweiten Weltkrieg lange Jahre Kriegsgefangener in der Sowjetunion gewesen. Davon, dass er sich künstlerisch auch in das Schicksal anderer hat einfühlen können, zeugt das von ihm geschaffene Kunstwerk. 

Der Titel des Denkmals  „Vernichtung durch Arbeit“ bezieht sich auf ein Programm, dass Heinrich Himmler und Joseph Goebbels 1942 ersonnen haben und auf die Vernichtung sogenannter Asozialer zielte: „Hinsichtlich der Vernichtung asozialen Lebens steht Dr. Goebbels auf dem Standpunkt, dass Juden und Zigeuner schlechthin, Polen, die etwa 3 bis 4 Jahre Zuchthaus zu verbüßen hätten, […] vernichtet werden sollten. Der Gedanke der Vernichtung durch Arbeit sei der beste.“ (1).   In der aktuellen historischen Forschung wird der Begriff der „Vernichtung durch Arbeit“ allerdings nicht mehr auf das System der Zwangsarbeit im Nationalsozialismus angewendet.  De facto wurden beim Bau des Bunkers natürlich Menschen durch Zwangsarbeit vernichtet.

Das Denkmal im ursprünglichen Zustand nach seiner Aufstellung 1983, Quelle: Nachlass R. Habel
© Denkort Bunker Valentin/LzpB

Der Sockel des Denkmals und das Denkmalumfeld wurden Anfang der 1990er Jahre neu gestaltet und den ursprünglichen Vorstellungen Friedrich Steins angepasst. Die am Sockel angebrachten Texttafeln künden vom Bemühen der Freien Hansestadt Bremen, erstmals Verantwortung für die eigene Geschichte zu übernehmen. Das Leiden und Sterben der Gefangenen wird in kurzen Sätzen geschildert und die Umbettung der vielen Toten nach dem Friedhof Bremen-Osterholz erwähnt. Der Text endet mit dem Schwur: „Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg – jede Anstrengung für den Frieden in der Welt“. In Auszügen wird der Text in zwölf Sprachen auf weiteren Tafeln wiederholt: Französisch, Russisch, Polnisch, Dänisch, Englisch, Griechisch, Italienisch, Niederländisch, Serbo-Kroatisch, Spanisch, Tschechisch und Ungarisch.

Am Nachmittag des 17. September 1983 versammelten sich nicht nur viele hundert Menschen aus Bremen vor dem Denkmal, sondern auch eine rund 80 Personen große Delegation aus Frankreich, darunter viele ehemalige KZ-Gefangene aus Farge, die mit ihren Familienangehörigen nach Bremen gekommen waren, um an der öffentlichen Gedenkstunde teilzunehmen. In den Stunden zuvor hatte diese französische Delegation nicht nur an einem Senatsempfang und einem in französischer Sprache gehaltenen Gottesdienst in der katholischen St. Ursula-Gemeinde in der Emmastraße teilgenommen, sondern auch den Ehrenfriedhof in Bremen-Osterholz und den historischen Ort des KZ-Außenlagers in der Feldmark zwischen Rekum und Neuenkirchen aufgesucht. Der damalige Bremer Bürgermeister Hans Koschnick hielt um 15 Uhr die Eröffnungsansprache. Ihm folgten Madame Aubry für die französische Amicale, den Opferverband, und der ehemalige KZ-Gefangene André Migdal. Der Wunsch der französischen Delegation, direkt am Bunkergebäude Blumen niederzulegen, wurde von der Bundesmarine verwehrt. Die Ehemaligen der Bunker-Baustelle erhielten keinen Zutritt.  

*** (1) Zitat nach Jens Christian Wagner: Das Außenlagersystem des KL Mittelbau Dora. In: Ulrich Herbert et al. (Hrsg.): Die nationalsozialistischen Konzentrationslager. Frankfurt/M , S. 720.

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