Geschichte

Rüstungslandschaft

Was ist eine „Rüstungslandschaft“?

Der Bunker „Valentin“ ist die Ruine einer U-Boot-Werft der deutschen Kriegsmarine aus dem Zweiten Weltkrieg. Zwischen Mai 1943 und April 1945 wurden für den Bau des Bunkers Tausende von Zwangsarbeitern aus ganz Europa eingesetzt: Zivilarbeiter ebenso wie Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge. Bis zu 1.600 von ihnen starben während der Bauarbeiten an Unterernährung, Krankheiten und der oft willkürlichen Gewalt der Wachmannschaften.

Der Bunker, mitten in Bremen-Farge gelegen, war nicht das einzige Rüstungsprojekt der Nationalsozialisten in der Region zwischen Bremen-Farge und Schwanewede: 1938 begann die Wirtschaftliche Forschungsgesellschaft (Wifo) – eine Tarngesellschaft des Reichswirtschaftsministeriums zur verdeckten Vorbereitung des Krieges – mit dem Bau eines Tanklagers in der Rekumer und Farger Heide im Norden Bremens. Für den geplanten Angriffskrieg sollten dort Öle und Treibstoffe gelagert werden. Bereits zu Baubeginn wurden Arbeiter aus Tschechien eingesetzt, ab Herbst 1941 auch sowjetische Kriegsgefangene. Neben dem „Wifo-Tanklager“ entstanden ab 1939 weitere große unter irdische Vorratsbunker. Auftragsgeberin war die Kriegsmarine, die über einen eigenen Treibstoffvorrat zu verfügen plante.

Straßen, Gleise und Schiffsanleger entstanden, um riesige Mengen an Baumaterial und Maschinen transportieren zu können. Gleichzeitig wurden Lager für die Unterbringung von bis zu 8.000 Kriegsgefangenen, KZ-Häftlingen, zivilen Zwangsarbeitern und Gefangenen der Bremer Gestapo errichtet. Aus der ursprünglich landwirtschaftlich geprägten und teilweise unter Naturschutz stehenden Region wurde so eine Rüstungslandschaft. 1943 schließlich wurde mit dem Bau des wichtigsten Rüstungsprojekts der Kriegsmarine begonnen. In weniger als zwei Jahren sollte an der Unterweser eine verbunkerte Werft zum Bau von U-Booten des Typs XXI entstehen. Die Fertigstellung der ersten U-Boote war für März 1945 geplant. Ab Herbst 1945 sollte alle zwei Tage ein Boot in Dienst gestellt werden. Der Bunker mit dem Tarnnamen „Valentin“ sollte jedem Bombenangriff standhalten. Er wurde deshalb mit bis zu sieben Meter dicken Decken und Wänden versehen. Die zum Bau der Tanklager bereits vorhandene Infrastruktur wurde nun für den Bau des U-Boot-Bunkers „Valentin“ genutzt. Auch ursprünglich für den Tanklagerbau eingesetzte Zwangsarbeiter wurden nun für den Bau des Bunkers herangezogen.

 

 

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