Geschichte

Biografien

Harry Callan

Harry Callan, 2011
Copyright: Denkort Bunker Valentin/LzpB

Harry Callan wurde 1923 in Derry, in der britischen Provinz Nordirland, geboren. Nach seiner Schulausbildung verdiente er sein Geld in der Schifffahrt. Als 17-Jähriger geriet er 1941 in deutsche Gefangenschaft. Er war Hilfskoch an Bord des britischen Fracht- und Passagierschiffes Afric Star, welches gerade Öl zu den Kapverdischen Inseln transportierte. Der deutsche Hilfskreuzer Kormoran griff das Schiff am 29. Januar 1941 im Südatlantik an.

Die Kriegsmarine nahm die 72köpfige Crew und sieben Passagiere gefangen. Sie brachte die Gefangenen nach Bordeaux, wo sie interniert wurden. Callan wurde im Juli 1941 ins Kriegsgefangenlager X B in Sandbostel bei Bremervörde transportiert. Im Februar 1942 verlegte ihn die Marine ins Marlag/Milag Nord in Westertimke. Callan betonte, dass die Zeit dort noch erträglich war und sie in britischer Uniform Hamburg besuchen durften, wo sie sich weitgehend frei bewegen konnten. Für diese Freiheit verlangte die Kriegsmarine eine Gegenleistung: „Wir sollten unterschreiben, dass wir freiwillig für die Deutschen arbeiten wollten.“ Callan und andere weigerten sich.

Die Marine übergab die Häftlinge daraufhin an die Gestapo, die diese im Februar 1943 ins Arbeitserziehungslager Farge brachte. […] Callan wurde von der Gestapo zur Zwangsarbeit am entstehenden U-Boot-Bunker getrieben. Heute sagt er: „dort lernte ich die Angst kennen.“ Nicht einmal beim Angriff auf das Schiff habe er soviel Furcht gespürt wie in den Jahren in Farge: „Wir wussten nicht, was der nächste Tag bringen würde. Es gab nur die Hoffnung, dass einige von uns herauskommen würden.“  Die Behandlung durch die Wachmannschaften, aber auch die Vorarbeiter der Baufirmen beschreibt er mit den Worten: „Wir wurden wie Vieh behandelt.“

Die schwere Arbeit und die nicht ausreichende Ernährung führen bald dazu, dass Callan schwer erkrankt und ins Revier des Lagers muss. Callan hatte nun Glück im Unglück. Der Arzt des Arbeitserziehungslagers, Dr. Heidbreder, mochte Callan und sorgte dafür, dass er zur Gartenarbeit beim Arzt eingesetzt wurde. Da Callan dort zusätzliche Nahrung erhielt, kam er einigermaßen wieder zu Gesundheit.Gegen Kriegsende verschlimmerten sich die Verhältnisse in Farge jedoch erneut und der Hunger kehrte zurück. Callan wurde im März 1945 mit den anderen irischen und britischen Seeleuten zurück nach Westertimke gebracht, wo er schließlich von alliierten Truppen befreit wurde.

Harry Callan, 1948
Copyright: Privat

Zurück in seiner Heimat musste er sich von seinen Krankheiten und der Unterernährung erholen. Sechs Monate konnte er nicht richtig sehen und erst nach einem Jahr wieder zur Arbeit gehen. Fortan schwieg er über die schlimmen Erlebnisse, die er in Farge gemacht hatte.

Erst mehr als 50 Jahre musste vergehen bis die sich die Irish Seamens Relatives Association darum bemühte eine Entschädigung der irischen Seeleute durch den in Deutschland eingerichteten Fonds für ausländischen Zwangsarbeiter zu erreichen und dadurch auch Harry Callan dazu ermutigten über sein Schicksal zu sprechen. Callan erhielt 2003 als erster Ire eine Entschädigung von 7.700 Euro zugesprochen. Inzwischen hat er auch die Stadt Bremen besucht und über seine Erlebnisse in Bremen-Farge eindrucksvoll berichtet.

 

 

 

Aus: Marc Buggeln, Bunker „Valentin“. Marinerüstung, Zwangsarbeit und Erinnerung, Bremen 2010

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