#kunstamdenkort

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MENETEKEL

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Konzert mit Projektionen | 8. Oktober 2020

 

Am 8. Oktober 2020 interpretierte der international bekannte Cellist Stephan Schrader, Mitglied der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen, die 24 Präludien op.100 (1968) von Mieczyslaw Weinberg am Denkort Bunker Valentin. Der Multimedia-Künstler Assaf "Safy" Etiel untermalte das Konzert mit einer Videoprojektion.

Der russische Komponist und Pianist Mieczyslaw Weinberg (1919-1996) stammte aus einer jüdisch-polnischen Familie. Nach dem Überfall der deutschen Wehrmacht auf Polen 1939 flüchtete er zunächst nach Minsk, dann 1941 nach Taschkent und ging schließlich 1943, auf Einladung Schostakowitschs, nach Moskau. Dort blieb er bis an sein Lebensende und hinterließ ein großes und sehr vielfältiges Oevre. Schostakowitsch setzte sich sehr für ihn ein, auch besonders als Weinberg 1953 von den Stalinisten wegen angeblicher Propaganda für die Errichtung einer jüdischen Republik inhaftiert wurde. Weinbergs Familie wurde von den Nazis ermordet. Komponieren begriff er bis zuletzt als Trauerarbeit: "Ich sehe es als meine moralische Pflicht, vom Krieg zu schreiben, von den Gräueln, die der Menschheit in unserem Jahrhundert widerfuhren".

Über Mieczyslaw Weinbergs 24 Präludien op.100 für Cello solo sagt Stephan Schrader:


"Sie sind wohl einzeln zu spielen, ergeben aber auch in der gedruckten Reihenfolge einen sehr schlüssigen, bewegenden Zyklus äußerst kontrastreicher kurzer Stücke. Verschiedenste spieltechnische Anforderungen beziehen sich teilweise aufeinander: Intervallfolgen und Motive kehren mehrfach wieder. Passagen wirken wie spukhafte Fetzen von Erinnerungen oder im Kopf kreisender Gedanken, Bilder und Klänge. Etwa, wenn bekannte Cellowerke von Schumann und Schostakowitsch zitiert werden, choralhafte oder marschartige Klänge auftauchen, jüdische Folklore oder verzerrte Kinderlieder (wie Abzählverse) anklingen. Oder auch, wenn Formen von Tänzen, einem Trauermarsch, einer Sarabande oder einem Wiegenlied aufeinander folgen. Auch wenn es heftige Ausbrüche gibt, so überwiegt doch ein sehr dichter, persönlicher, introvertierter Tonfall."


In seiner Projektion untermengte der Medienkünstler Assaf Etiel seltene historische Fotografien und Filmsequenzen aus dem Bremen 1944/45 mit den Strukturen der Bunkerhülle heute. Hier offenbarte sich die Art und Weise, wie die Natur die Zeit gleichsam überschreibt. Die Verwitterungen bildeten reliefartige Strukturen, die wie Gespenster aus der Vergangenheit anmuten, wie ein Mentekel, eine unheilverkündende Warnung. Zeichen eines vergangenen Unheils und, in dieser Form, auch ein Warnzeichen für die Zukunft:


"Ich fragte mich, ob in den Flechten an den Außenwänden und durch ihre Abstraktion nicht abstrakte menschliche Formen erscheinen und diese als Überreste der zahlreichen Menschen an diesem Ort gelesen werden können – sie zeigen Spuren des Verlustes und der Entwürdigung, um den Menschen jedoch mit Gedenken und Würdigung ihrer Geschichte begegnen zu können." (Assaf Etiel)


MENETEKEL war eine Kooperationsveranstaltung vom Denkort Bunker Valentin / Landeszentrale für politische Bildung Bremen und der Arbeitnehmerkammer Bremen im Rahmen von RAW Spezial und der Nachholtermine der Reihe 75 Jahre Kriegsende in Europa

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