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Wir sind Multi-Perspektif

Wir sind Multi-Perspektif

Was ist Geschichte für Dich? Wie willst Du Dich erinnern?

Seit Beginn des Bremer Sommers finden „Multi-Perspektif-Aktiventreffen“ statt. Bei dieser Initiative erleben nach Bremen migrierte Personen den Denkort Bunker Valentin und andere Orte, die auf besondere Weise durch Geschichte(n) geprägt sind, als Kontaktzonen. Gemeinsam haben alle am Prozess Beteiligten ein besonderes Interesse an Geschichte und aktuellen gesellschaftlichen und politischen Fragen und eine hohe Bereitschaft einander zuzuhören. Im Austausch über norddeutsche Geschichte von Zwangsarbeit, Lagern und Vertreibung besteht das didaktische Prinzip darin, die Perspektive zu öffnen statt von vornherein zu filtern, zu verallgemeinern oder einzuengen. Die Fragestellungen und Sichtweisen dieser Begegnungen werden dokumentiert und führen zu den nächsten Schritten im Gruppenprozess. Beim ersten Treffen bestand beispielsweise eine Übung darin über Betitelungen jenes Feldes nachzudenken, das hierzulande häufig als zweiter Weltkrieg, Holocaust, Nationalsozialismus oder die Nazizeit chiffriert wird. In diesem Versuch der De-chiffrierung entstanden Beschreibungen wie: „Zeit der Unmenschlichkeit“, „Konsequenz der Ignoranz“, „Zeit des Rassismus“ oder „Menschen ohne Masken“.

 

Die Teilnehmenden beim Gespräch in der Ausstellung über Trauer und Aneignungsstrategien von Erinnerung durch Angehörige der Opfer des KZ Farge. Foto: Denkort Bunker Valentin

 

Bei einem Folgetreffen stand der gemeinsame Besuch der ehemaligen Bunkerbaustelle und das Kennenlernen von verschiedenen Akteuren im Bunkerbauzeit-Farge der Jahre 1943-45 im Mittelpunkt. Im Seminarraum am Denkort Bunker Valentin skizzierten die Mitarbeiter_innen vom Projektteam den Kontext der Lager- und Erinnerungslandschaft in Bremen Nord entsprechend der von den Teilnehmenden gewählten Zitate oder Bilder. Eine assoziative Verbindung, die bei dieser Begegnung zur Sprache kam, knüpfte beispielsweise an der Beschreibung der unwürdigen Unterbringung der Gefangenen im unterirdischen Treibstoffbunker des KZ Farge an: Ein Teilnehmer erinnerte sich an Geschichtsbilder die seinen Blick auf Geschichte von Macht und Unterdrückung prägte: die Bedingungen derjenigen, die vom afrikanischen auf den amerikanischen Kontinent auf Schiffen transportiert wurden und dort als Sklaven für Weiße Zwangsarbeit leisten mussten. Diese Zwangsarbeiter_innen des transatlantischen Sklavenhandels des 17. bis 19. Jahrhunderts waren Menschen, die entführt wurden, Familien abgekauft wurden oder als Waisenkinder unmittelbar ausgeliefert waren. In seinem Kopf waren Bilder von angeketteten Menschen und völlig beengten mehrstöckigen Schlafstätten im Inneren von Schiffen.

 

Am Lagermodell in der Ausstellung der KZ-Gedenkstätte Neuengamme. Foto: Denkort Bunker Valentin 

   

Um das nationalsozialistische Lagersystem in Bremen und Norddeutschland, mit Haupt- und Außenlagern und die Verbindungen zu Rüstungsbetrieben, Aufräumkommandos nach Bombardierungen usw. besser einordnen zu können führte die darauffolgende Exkursion unsere Aktivengruppe an die KZ-Gedenkstätte Neuengamme. Unter kompetenter Begleitung der leitenden Gedenkstättenpädagogin erkundeten wir Ausstellungen und Gelände und führten intensive Gespräche entlang der Fragen der Teilnehmer_innen:

"Mussten die Frauen in den Außenlagern ebenso schwere körperliche Arbeit verrichten?"

"Ich habe oft von Deutschen gehört, die sind doch nun tot, und: Wir haben nichts mit dieser Geschichte zu tun. Warum müssen wir uns immer noch mit dieser Geschichte beschäftigen? Was denkst Du darüber?"

"Auf einer der Zeichnungen war ein Raucher zu sehen. War das denn erlaubt?"

"Wie viele bekannte und unbekannte Opfer dieses ganzen Lagerkomplex Neuengamme gab es?"


Mit vielen Impulsen und noch mehr Fragen zu dieser komplexen Geschichte kehrt die Gruppe zurück nach Bremen. Gedanken zu Geschichte und Gegenwart werden bei den einzelnen in ihrer gewohnten und alltäglichen Umgebung nachwirken und nachberühren. Die Aufgabe des Multi-perspektif Projektteams besteht nun darin anhand der Auswertung des gemeinsam Erfahrenen die Gruppe zur nächsten Etappe zu führen. Fortsetzung folgt.

 

 

Erkundung auf dem Gelände der ehemaligen Tongruben an der KZ-Gedenkstätte Neuengamme. Foto: Denkort Bunker Valentin

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