Sebastian Schipper

Sebastian Schipper

Gezeigt wird eine Nahaufnahme von einem Mann, das Foto wurde schwarz-weiß aufgenommen. Er trägt eine Kopfbedeckung und blickt sehr ernst in die Kamera.
Sebastian Schipper in SS-Uniform
Foto: Johann Seubert, Sommer 1944, Quelle: Bundesarchiv Berlin

Sebastian Schipper wurde am 16. September 1911 in Nesse in Ostfriesland geboren. Er war verheiratet, hatte vier Kinder und arbeitete zunächst als Bäcker. Nach Kriegsbeginn trat Schipper der Marine bei und diente als „Werftwächter“ im „Gelbkreuzlager“, einem „Arbeitserziehungslager“ in der Wilhelmshavener Ostfriesenstraße. Das Lager war in den Kellerräumen der Jadekaserne untergebracht und gehörte zur Gestapo Wilhelmshaven.

Versetzung nach Farge

Abgebildet ist ein schwarz-weißes Bild, welches im Vordergrund ein Feld zeigt, während im Hintergrund Baracken sowie ein Strommast zu sehen sind.
Das ehemalige Arbeitserziehungslager im Jahr 1965
Quelle: Heimatverein Farge-Rekum

Im April 1944 wurde Schipper nach Farge versetzt, um dort das Kommando über das „Arbeitserziehungslager“ zu übernehmen. Er vertrat den erkrankten Karl Walhorn. Schipper befahl den Wachen des Lagers ausdrücklich, Gefangene zu schlagen. Im November 1944 kehrte er als Kommandant ins Gelbkreuzlager nach Wilhelmshaven zurück.

Als „einwandfrei“ entlassen

Abgebildet wird ein schwarz-weißes Foto, mittig ist ein gepflasterter Durchgang zu sehen, unter welchem ein Soldat steht. Rechts im Bild steht ein Schild mit der Inschrift: "Esterwegen internment camp", rechts neben dem Schild steht ebenfalls ein Soldat.
Kanadische Soldaten vor dem Eingang des Internierungslagers Esterwegen
Quelle: Stiftung Gedenkstätte Esterwegen

Nach Kriegsende wurde Schipper von der britischen Militärregierung verhaftet. Seit dem 25. Mai 1945 wurde er zunächst im Internierungslager Esterwegen festgehalten. Das ehemalige Konzentrationslager diente nun als Haftstätte für Kriegsverbrecher. Ende April 1946 kam Schipper zunächst auf freien Fuß. Er galt als „einwandfrei“.

Erneute Verhaftung

 Weitere Informationen zum Bild finden Sie im Transkript des Bildes
Häftlingskarte aus dem Internierungslager Esterwegen Quelle: Stiftung Gedenkstätte Esterwegen

Transkript:

NAME: SCHIPPER, Sebastian
CAMP NO: 252031
NATIONALITY CLAIMED: German
CATEGORY: War Criminal "a"
DATE OF BIRTH: 16 Sep 11
DATE OF ARREST: 8.6.46
REASON FOR ARREST: KZ Guard

CORPS CASE NO.:

RANK IN WAFFEN SS: [unerkenntlich]
PLACE OF BIRTH: Nesse
PLACE OF ARREST: Norden

DATE ARRIVED IN CAMP: 9.8.46
RELIGION: gottgläubig
NAME OF NEXT OF KIN: Mrs. Katherine Schipper, wife
ADRESS OF NEXT OF KIN: Badestrasse 10, Norddeich bei Norden

REMARKS: [Handschrift, unerkenntlich]

[Stempel, größtenteils unerkenntlich]

Nur zwei Monate später wurde Schipper in Norden erneut verhaftet. Offenbar war er angezeigt worden. Erst kam er nach Aurich, dann wieder nach Esterwegen. Von dort wurde Schipper im September 1946 nach Wilhelmshaven überstellt. Er war nun Angeklagter im „Gelbkreuzlerprozeß“, der gegen die Wachmannschaften des „Arbeitserziehungslagers“ in Wilhelmshaven geführt wurde. 

Todesurteil und Hinrichtung

Gezeigt wird eine Luftaufnahme des Zuchthauses.
Im Zuchthaus Hameln wurden bis 1945 hunderte Gegner des NS-Regimes inhaftiert,
Quelle: Bernhard Gelderblom

Sebastian Schipper wurde wegen der Ermordung von drei Häftlingen und Misshandlung von weiteren alliierten Gefangenen zum Tode verurteilt und am 23. Januar 1947 in Hameln hingerichtet. Das dortige Zuchthaus diente der britischen Militärregierung als Hinrichtungsstätte. Auch die Verurteilten des Bergen-Belsen-Prozesses starben hier.

Schipper im Curiohaus-Prozess

Es ist ein sepiafarbenes Bild abgebildet. Im Vordergrund stehen zwei Wachmänner, im Hintergrund ist die Gaststätte Curiohaus zu sehen. Im linken unteren Bildrand steht abgeschnitten: englisch "Search Bureau Control Commission" mit einem Pfeil nach rechts. Die beiden Männer schauen an der Kamera vorbei, der Blick ist sehr ernst. Vor dem Gebäude des Curiohauses sind kahle Sträucher zu sehen.
Britische Wache vor dem Hamburger Curio-Haus, Frühjahr 1946
Foto: A. Klein/S. Presser, Quelle: Hans Nesna: Zoo leeft Duitschland up de Puinhoopen van het Derde Rijk, Amsterdam 1946, o.S.

Der Prozess gegen die Wachmannschaften des Arbeitserziehungslagers Farge begann erst nach der Hinrichtung Schippers. Dessen Grausamkeiten kamen dennoch mehrfach zur Sprache. Um sich selbst zu entlasten gaben die Angeklagten dem schon hingerichteten Schipper und dem flüchtigen ehemaligen Kommandanten Heinrich Schauwacker die Verantwortung für die Verbrechen in Farge. 

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