Akli Banoune (1889-1983)

Ein algerischer Unabhängigkeitskämpfer

Abgebildet ist ein Passfoto in sepia-farbe von einem Mann mit Anzug und Krawatte. Er hat helle Haare und trägt einen Oberlippenbart. Der Mann schaut freundlich, aber mit glasigen Augen in die Kamera. Das Foto hat zwei Löcher, eines in der unteren linken Hälfte und eines in der oberen rechten Hälfte.
Akli Banoune nach dem Krieg, ca. 1954
Quelle: DAVCC, Caen

Akli Banoune kam am 27. Juni 1889 in Soumman, Algerien (heute: Djebla) zur Welt. 1916 wanderte er nach Frankreich aus. Zu der Zeit versuchte die französische Regierung den kriegsbedingten Mangel an Arbeitskräften durch das Anwerben von Menschen aus ihren Kolonien zu kompensieren. Der 27-jährige Banoune wurde Fabrikarbeiter.

Der politische Kampf

Abgebildet wird ein mit Schreibmaschine erstelltes Dokument.
Effektenkarte erstellt nach dem Krieg vom Internationalen Roten Kreuz mit Auflistung der von Akli Banoune in seiner Ankunft im KZ Neuengamme abgegebenen, persönlichen Objekte, darunter ein „weißer Ring mit afrikanischem Emblem“, Datum unbekannt
Quelle: Arolsen Archives

Transkript:

Übersetzung aus dem Englischen.

Banoun, Akli

geboren am 26.6.1890, Franzose

Datum auf dem Umschlag Neuengamme 6.6.1944

32 020 [Häftlingsnummer]

Persönliche Gegenstände: 1 goldener Siegelring mit der Gravur „BA“, 1 weißer Ring mit afrikanischem Emblem.

In seiner Fabrik kam Banoune zum ersten Mal in Kontakt mit einer Gewerkschaft. Er wurde zunehmend politisch aktiv und setzte sich immer stärker für die Rechte der nordafrikanischen Arbeitenden, später auch für die Unabhängigkeit der französischen Kolonien ein. So wurde er früh Mitglied der nordafrikanischen Sektion der „Union intercoloniale“, die 1926 die Étoile Nord-Africaine ins Leben rief. Er gehörte zu dessen Gründungsvorstand.

„Verletzung der territorialen Integrität“

Abgebildet ist ein auf französisch verfasster Zeitungsartikel.
Zeitungsartikel „Trois indigènes“, Echo d’alger, 27.2.1940
Quelle: Gallica, BnF (Archiv digital)

Transkript:

Übersetzt aus dem Französischen.

Drei ehemalige Mitglieder der nordafrikanischen Organisation „Etoile Nord-Africaine“ wegen Verletzung der territorialen Integrität Frankreichs verurteilt.

Paris – Das dritte Militärgericht hat heute drei Araber verurteilt, denen Propaganda vorgeworfen wurde, die die Integrität des französischen Staatsgebiets gefährden könnte.
Die Taten gehen auf den Monat Juni 1939 zurück. Diese Araber sind ehemalige Mitglieder der aufgelösten Organisation „Etoile nord-africaine” (Nordafrikanischer Stern). Sie hatten Artikel in einer Zeitung namens „El Ouma” veröffentlicht. 
Der Herausgeber Ali Chaabane wurde zu drei Jahren Haft und einer Geldstrafe von 1.000 Franken verurteilt, Akli Banoun zu einem Jahr Haft und Laroubi Mohammed ebenfalls zu einem Jahr Haft. 

Die politischen Aktivitäten von Akli Banoune wurden von der französischen Regierung zunehmend kritisch beäugt. Ende Februar 1940 verurteilte das Militärgericht in Paris ihn und zwei seiner Landsleute wegen „Landfriedensbruch“ zu einem Jahr Gefängnis. Ende September 1942 wurde er wegen vermeintlicher kommunistischer Aktivitäten erneut festgenommen. In Folge des „Hitler-Stalin-Pakts“ gehörte die französische kommunistische Partei seit September 1939 auf die Verbotsliste der französischen Regierung.

Haftjahre

Gezeigt wird ein eingescanntes Dokument - es ist ein Formular, welches handschriftlich ausgefüllt worden ist.  Weitere Informationen zum Bild finden Sie im Transkript des Bildes
Häftlingskarte des SS-Wirtschaftsverwaltungshauptamts für Akli Banoune Quelle: Archiv der KZ-Gedenkstätte Neuengamme

Transkript:

Häftlingskarte

Einlieferungsstelle: S'D 01, Einlieferungsdatum: 24.05.1944, Häftlingsart: Poli. 01, Geburtstag: 27.06.1890, Geschlecht: männlich, Familienstand: ledig, Kinder: keine

Staatsangehörigkeit: A. Frankreich 3/15, Hauptberuf: Kaufmann, 1. Nebenberuf: keiner, 2. Nebenberuf: keiner, 3. Nebenberuf: keiner

Wehrdienstverhältnis: keines, T.-Grad: keiner, Anzahl Vorstrafen: keine, Gefängnis Monate: keine, Zuchthaus Monate: keine, Eingeliefert in KL: Neuengamme 09 

Zugangsart: E 1, Überstellung an KL: Neuengamme 09, Häftlingsnummer: 32020, eingesetzt als: Hilfsarbeiter

Bemerkungen: keine

Kontrollvermerk: ausgestellt, verschlüsselt, geprüft: handschriftlich unlesbar ausgefüllt

Die folgenden zwei Jahre (1942-1944) verbrachte Banoune in diversen französischen Gefängnissen und Lagern für politische Gefangene. Nach der Auflösung des Lagers Voves Anfang Mai 1944 wurde er in das Sammellager Royallieu-Compiègne nördlich von Paris transportiert und nur zwei Wochen später in das Konzentrationslager Neuengamme deportiert. Im KZ-Außenlager Farge und auf der Bunkerbaustelle wurde er Opfer rassistisch-motivierter Diskriminierung sowohl seitens des Wachpersonals als auch unter Mit-Gefangenen. Das Kriegsende überlebte der sehr geschwächte Banoune Ende April 1945 im ehemaligen Kriegsgefangenenlager Sandbostel. Erst nach wochenlangem Krankenhausaufenthalt konnte er am 16. Juni 1945 nach Frankreich zurückkehren.

Der Kampf geht weiter

Abgebildet wird ein auf französisch verfasstes Dokument. In der unteren linken Ecke wird das Passfoto von Akli Banoune gezeigt, welches bereits ganz am Anfang beschrieben wurde.
Ausweis für politische Deportierte, 1954
Quelle: DAVCC, Caen

Transkript:

Übersetzt aus dem Französischen

Staatliche Datei [Stempel], Französische Republik, Nummer 117503893
Ausweis für politische Deportierte
Ausgestellt vom Minister für Kriegsveteranen und Kriegsopfer
Inhaber: Banoun Akli
Geboren: 1889 in Soummam (Algerien)
Wohnort: 7, Impasse du Rouet, Paris 14
Interniert vom 23. September 1942 bis zum 8. Mai 1944
Deportiert vom 9. Mai 1944 bis zum 15. Juni 1945
Karte ausgestellt am: 29. November 1954
Für den Minister und in dessen Auftrag: Der interministerielle Beauftragte: Pierre Lis [Stempel]
Der Inhaber [keine Unterschrift]

Banoune kehrte schwer gezeichnet von der Deportation zurück. Die Arbeit in seinem kleinen Obst- und Gemüseladen musste er 1948 aus gesundheitlichen Gründen aufgeben. Den politischen Kampf nahm er aber schnell wieder auf. Dafür wurde er mehrfach wegen Widerstand gegen die Staatsgewalt verhaftet und sogar einmal zu einer Haftstrafe auf Bewährung verurteilt. Dies mag dazu geführt haben, dass ihm der Status eines „politischen Deportierten“ erst Ende 1954 anerkannt wurde. 

Ein Held der algerischen Unabhängigkeitsbewegung

Gezeigt wird ein Cover eines Hefts oder Buches, verfasst auf französisch.
Zusammenstellung von Berichten von Kämpfern der antikolonialen Befreiungsbewegung
Mahmoud Bouayed, Alger 1974

Transkript:

Übersetzt aus dem Französischen.

Veröffentlichungen der Nationalbibliothek
Notizen und Dokumente 1 
Geschichte auf Tonband
Eine Erfahrung der Nationalbibliothek Algeriens
Text auf Französisch 

von Mahmoud Bouayed

s.n.e.d. Alger 1974

Akli Banoune kehrte in den 1970er Jahren in sein Geburtsland zurück. Bis zu seinem Tod in Algier im Frühjahr 1983 legte er mehrfach Zeugnis über seine politischen Aktivitäten zugunsten der Unabhängigkeit Algeriens ab. Eine Anerkennung für sein politisches Engagement erfuhr er zu seiner Lebzeit nicht. Erst im Jahr 2017 wurde er als „Held der algerischen Unabhängigkeitsbewegung“ offiziell anerkannt.

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