Akli Banoune nach dem Krieg, ca. 1954 Quelle: DAVCC, Caen
Akli Banoune kam am 27. Juni 1889 in Soumman, Algerien (heute: Djebla) zur Welt. 1916 wanderte er nach Frankreich aus. Zu der Zeit versuchte die französische Regierung den kriegsbedingten Mangel an Arbeitskräften durch das Anwerben von Menschen aus ihren Kolonien zu kompensieren. Der 27-jährige Banoune wurde Fabrikarbeiter.
Der politische Kampf
Effektenkarte erstellt nach dem Krieg vom Internationalen Roten Kreuz mit Auflistung der von Akli Banoune in seiner Ankunft im KZ Neuengamme abgegebenen, persönlichen Objekte, darunter ein „weißer Ring mit afrikanischem Emblem“, Datum unbekannt Quelle: Arolsen Archives
Transkript:
Übersetzung aus dem Englischen.
Banoun, Akli
geboren am 26.6.1890, Franzose
Datum auf dem Umschlag Neuengamme 6.6.1944
32 020 [Häftlingsnummer]
Persönliche Gegenstände: 1 goldener Siegelring mit der Gravur „BA“, 1 weißer Ring mit afrikanischem Emblem.
In seiner Fabrik kam Banoune zum ersten Mal in Kontakt mit einer Gewerkschaft. Er wurde zunehmend politisch aktiv und setzte sich immer stärker für die Rechte der nordafrikanischen Arbeitenden, später auch für die Unabhängigkeit der französischen Kolonien ein. So wurde er früh Mitglied der nordafrikanischen Sektion der „Union intercoloniale“, die 1926 die Étoile Nord-Africaine ins Leben rief. Er gehörte zu dessen Gründungsvorstand.
Drei ehemalige Mitglieder der nordafrikanischen Organisation „Etoile Nord-Africaine“ wegen Verletzung der territorialen Integrität Frankreichs verurteilt.
Paris – Das dritte Militärgericht hat heute drei Araber verurteilt, denen Propaganda vorgeworfen wurde, die die Integrität des französischen Staatsgebiets gefährden könnte. Die Taten gehen auf den Monat Juni 1939 zurück. Diese Araber sind ehemalige Mitglieder der aufgelösten Organisation „Etoile nord-africaine” (Nordafrikanischer Stern). Sie hatten Artikel in einer Zeitung namens „El Ouma” veröffentlicht. Der Herausgeber Ali Chaabane wurde zu drei Jahren Haft und einer Geldstrafe von 1.000 Franken verurteilt, Akli Banoun zu einem Jahr Haft und Laroubi Mohammed ebenfalls zu einem Jahr Haft.
Die politischen Aktivitäten von Akli Banoune wurden von der französischen Regierung zunehmend kritisch beäugt. Ende Februar 1940 verurteilte das Militärgericht in Paris ihn und zwei seiner Landsleute wegen „Landfriedensbruch“ zu einem Jahr Gefängnis. Ende September 1942 wurde er wegen vermeintlicher kommunistischer Aktivitäten erneut festgenommen. In Folge des „Hitler-Stalin-Pakts“ gehörte die französische kommunistische Partei seit September 1939 auf die Verbotsliste der französischen Regierung.
Haftjahre
Häftlingskarte des SS-Wirtschaftsverwaltungshauptamts für Akli Banoune Quelle: Archiv der KZ-Gedenkstätte Neuengamme
Die folgenden zwei Jahre (1942-1944) verbrachte Banoune in diversen französischen Gefängnissen und Lagern für politische Gefangene. Nach der Auflösung des Lagers Voves Anfang Mai 1944 wurde er in das Sammellager Royallieu-Compiègne nördlich von Paris transportiert und nur zwei Wochen später in das Konzentrationslager Neuengamme deportiert. Im KZ-Außenlager Farge und auf der Bunkerbaustelle wurde er Opfer rassistisch-motivierter Diskriminierung sowohl seitens des Wachpersonals als auch unter Mit-Gefangenen. Das Kriegsende überlebte der sehr geschwächte Banoune Ende April 1945 im ehemaligen Kriegsgefangenenlager Sandbostel. Erst nach wochenlangem Krankenhausaufenthalt konnte er am 16. Juni 1945 nach Frankreich zurückkehren.
Der Kampf geht weiter
Ausweis für politische Deportierte, 1954 Quelle: DAVCC, Caen
Transkript:
Übersetzt aus dem Französischen
Staatliche Datei [Stempel], Französische Republik, Nummer 117503893 Ausweis für politische Deportierte Ausgestellt vom Minister für Kriegsveteranen und Kriegsopfer Inhaber: Banoun Akli Geboren: 1889 in Soummam (Algerien) Wohnort: 7, Impasse du Rouet, Paris 14 Interniert vom 23. September 1942 bis zum 8. Mai 1944 Deportiert vom 9. Mai 1944 bis zum 15. Juni 1945 Karte ausgestellt am: 29. November 1954 Für den Minister und in dessen Auftrag: Der interministerielle Beauftragte: Pierre Lis [Stempel] Der Inhaber [keine Unterschrift]
Banoune kehrte schwer gezeichnet von der Deportation zurück. Die Arbeit in seinem kleinen Obst- und Gemüseladen musste er 1948 aus gesundheitlichen Gründen aufgeben. Den politischen Kampf nahm er aber schnell wieder auf. Dafür wurde er mehrfach wegen Widerstand gegen die Staatsgewalt verhaftet und sogar einmal zu einer Haftstrafe auf Bewährung verurteilt. Dies mag dazu geführt haben, dass ihm der Status eines „politischen Deportierten“ erst Ende 1954 anerkannt wurde.
Ein Held der algerischen Unabhängigkeitsbewegung
Zusammenstellung von Berichten von Kämpfern der antikolonialen Befreiungsbewegung Mahmoud Bouayed, Alger 1974
Transkript:
Übersetzt aus dem Französischen.
Veröffentlichungen der Nationalbibliothek Notizen und Dokumente 1 Geschichte auf Tonband Eine Erfahrung der Nationalbibliothek Algeriens Text auf Französisch
von Mahmoud Bouayed
s.n.e.d. Alger 1974
Akli Banoune kehrte in den 1970er Jahren in sein Geburtsland zurück. Bis zu seinem Tod in Algier im Frühjahr 1983 legte er mehrfach Zeugnis über seine politischen Aktivitäten zugunsten der Unabhängigkeit Algeriens ab. Eine Anerkennung für sein politisches Engagement erfuhr er zu seiner Lebzeit nicht. Erst im Jahr 2017 wurde er als „Held der algerischen Unabhängigkeitsbewegung“ offiziell anerkannt.