19.06.2014

Gedenkfeier im französischen Murat

Nach 70 Jahren erstmals mit Bremer Delegation

Die Geschichte des Bunkers Valentin ist eng mit dem französischen Städtchen Murat (Auvergne) verbunden: Im Sommer 1944 wurden 120 Einwohner des Ortes Opfer einer sogenannten „Vergeltungsmaßnahme“ der deutschen Wehrmacht. Sie wurden nach Deutschland deportiert und mussten insbesondere am Bunker „Valentin“ Zwangsarbeit leisten. Nur 34 kehrten im Sommer 1945 nach Frankreich zurück.

70 Jahre sind seit der Geiselnahme und Brandschatzung des Ortes vergangen. Erstmals reiste in diesem Jahr eine Bremer Delegation nach Murat, um an den dortigen Gedenkfeierlichkeiten am 14. und 15. Juni 2014 teilzunehmen. Neben dem Präsidenten der Bremischen Bürgerschaft, Christian Weber, begleiteten auch Vertreterinnen und Vertreter des Denkorts Bunker Valentin und der Landeszentrale für politische Bildung die mehrtägige Gedenkveranstaltung. Die Gedenkfeier fand an verschiedenen Orten statt, die unter Beteiligung von Vertretern von lokalen und regionalen Behörden Frankreichs die Stationen von 1944 nachvollzog.

Politische Repräsentant:innen der Stadt Murat sowie von Verbänden der Deportierten der Region Murat bei der Gedenkfeier zum 70. Jahrestag der Deportationen und Erschießungen von Bürger:innen aus Murat durch die Deutschen. Vierter von links: Christian Weber, Präsident der Bremischen Bürgerschaft. © Denkort Bunker Valentin / LzpB

Im Rahmen der wissenschaftlichen Aufarbeitung der Geschichte des Denkorts Bunker Valentin entstand ein intensiver Kontakt nach Murat. Die Nachfahren der aus Murat verschleppten Männer besuchten in 2012 auf einer Erinnerungsreise die neu entstandene Gedenkstätte. Die Landeszentrale für politische Bildung Bremen, vertreten durch die wissenschaftliche Co-Leiterin des Denkortes, Dr. Christel Trouvé, führte im folgenden Jahr zahlreiche lebensgeschichtliche Interviews mit den Angehörigen durch.

Frieder Eisele, deutscher Einwohner der Region Murat, Louis Canac, Vorsitzender der Vereinigung der ehemaligen Resistance-Kämpfer in der Region Cantal (UDAC), Thomas Köcher, Leiter der Landeszentrale für politische Bildung Bremen, legen gemeinsam einen Kranz im Namen der UDAC nieder. © Denkort Bunker Valentin / LzpB

„Jahrzehntelang wurde nicht über das Leid der Hinterbliebenen gesprochen. Doch diese Geschichte gehört auch zur Geschichte des Bunkers Valentin. Deshalb planen wir im Rahmen eines deutsch-französischen Projektes die Entwicklung einer eigenen Station auf dem Informationsrundweg, die sich der Geschichte von Murat und ihren Einwohnerinnen und Einwohnerinnen widmet“, so Trouvé.

„Es ist schwierig, dort zu graben, wo es weh tut“, sagt der Enkel eines in Bremen-Farge verstorbenen Deportierten im Interview. Doch für ihn wie für die Nachfahren aller nicht zurückgekehrten Männer ist es wichtig, dass auch ihre Geschichte nicht in Vergessenheit gerät und dass die Spurensuche durch nachfolgende Generationen fortgeführt wird.

Politische Repräsentant:innen der Stadt Murat sowie von Verbänden der Deportierten der Region Murat bei der Gedenkfeier zum 70. Jahrestag der Deportationen und Erschießungen von Bürger:innen aus Murat durch die Deutschen. Vierter von links: Christian Weber, Präsident der Bremischen Bürgerschaft. © Denkort Bunker Valentin / LzpB

Bürgerschaftspräsident Christian Weber bat in seiner Rede am 15. Juni in Murat um Entschuldigung für die Nazi-Verbrechen und äußerte zudem den Wunsch, dass die Stadt Murat und die Nachfahren der Opfer an der offiziellen Eröffnung der Gedenkstätte „Denkort Bunker Valentin“ im kommenden Jahr 2015 teilnehmen werden, wofür er eine Einladung aussprach.

Die Rede des Bürgerschaftspräsidenten kann hier (PDF 35 KB) in deutscher und französischer Sprache nachgelesen werden.

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