Der Blick der Täter:innen auf die Baustelle
Im Herbst 1944 malte der Künstler Paul Ernst Wilke Bilder auf der Baustelle. Hier ist das Schleusenbecken im Bau zu sehen. Auftraggeberin war die Marinebauleitung. Das Bild war ein Geschenk für Arnold Agatz, den Chef des Planungsbüros „Agatz & Bock“.
Erich Lackner als Erbe
Ab 1943 leitete Erich Lackner das Planungsbüro in Farge. Im Oktober 1979 kündigte Arnold Agatz seinem ehemaligen Mitarbeiter an, ihm das Ölgemälde der Baustelle nach seinem Tod zu überlassen. Lackner verfasste daraufhin ein Dankschreiben an Agatz. Darin sprach Lackner vom Bau des Bunkers „Valentin“ als „wichtigste Aufgabe“ seines Lebens, „ingenieurmäßig und menschlich“ habe er sich entwickeln können. Gleichzeitig war Lackner klar, dass er wegen der ihm zugeteilten Aufgabe in Farge nicht zum Kriegsdienst einberufen worden war und so unter Umständen dem Tod an der Front entgangen war. Lackner verliert kein einziges Wort über den Einsatz oder das Leid der Häftlinge und Zwangsarbeiter:innen während dieses „einmaligen Ingenieurbauvorhabens“. Arnold Agatz starb im März 1980, woraufhin das Gemälde in Lackners Besitz kam. Bis zu seinem Ausscheiden aus der Firma „Lackner & Partner“ hing das Bild in seinem Büro. Lackners Sekretärin verwahrte es danach und schenkte es später dem Verein „Geschichtslehrpfad Lagerstraße“.
Malen für die Kriegsmarine
Paul Ernst Wilke wurde in Bremerhaven geboren. Er studierte an der Kunstschule Bielefeld, an der Berliner Kunstakademie und der Bremer Kunstgewerbeschule. 1939 zog er in die Künstlerkolonie Worpswede. Wilke stand in der Tradition des deutschen Impressionismus. Warum er von der Kriegsmarine ausgewählt wurde, die Bunkerbaustelle zu malen, ist nicht überliefert.
Ein Geschenk für den Großadmiral
Wilke malte mindestens ein weiteres Bild auf der Bunkerbaustelle. Die Inschrift des Messingschildes auf dem Rahmen hält fest, dass es anlässlich des Besuchs von Großadmiral Karl Dönitz angefertigt wurde. Es wurde im Oktober 2009 von einem süddeutschen Auktionshaus für 3.000 Euro an einen Sammler in den USA versteigert. Allerdings wurde es fälschlich dem im Nationalsozialismus hochgeschätzten Maler Paul Mathias Padua zugeschrieben, was den Preis in die Höhe getrieben haben dürfte.
Verbrechen auf Leinwand
Nicht nur in Farge wurde der Einsatz von Zwangsarbeiter:innen oder KZ-Häftlingen auf Leinwand verewigt. In der KZ Gedenkstätte Flossenbürg ist ein Gemälde erhalten geblieben, dass ein Arbeitskommando im Granitsteinbruch außerhalb des kurz zuvor eingerichteten Lagers zeigt. Kommandos wie diese waren tödlich. Für die Lager-SS war der Granitabbau unter Ausnutzung von KZ-Häftlingen kein Verbrechen, sondern Ausdruck der von den Nationalsozialisten angestrebten Gesellschaftsordnung. Deshalb ließen sie Szenen, die eigentlich Verbrechen gegen die Menschlichkeit zeigen, in Öl malen. Das Bild von Mercker wurde 1941 in der „Großen Deutschen Kunstausstellung“ in München gezeigt.