Fried Manders Schreibblock

Der Nachlass von Fried Manders

Links im Bild werden zwei Hände gezeigt, welche vom Licht ausgeblichene Notizblätter berühren. Auf dem Papier ist größtenteils in schwarz geschrieben worden, teilweise aber auch in blau. Im Hintergrund des Bildes befindet sich ein Ausschnitt eines dunkelblauen Buches. Im Vordergrund in Klarsichtfolie eingepackte Zettel, die aussehen, als seien sie mit einer Schreibmaschine beschrieben worden.
Handschriftliche Notizen zu den Haftjahren von Fried Manders, Januar 2025
Quelle/ (c): Denkort Bunker Valentin/ LzpB Bremen

Ende Januar 2025 klingelte die Familie Manders an der Tür des Denkort. Zum ersten Mal begaben sich der Sohn, die Schwiegertochter und der Enkel des ehemaligen niederländischen Zwangsarbeiters Fried Manders (1901-1978) auf die Spuren seines Leidenswegs. Bei sich hatten sie Unterlagen, die Auskunft über seine Haft und die Zwangsarbeit in Farge gaben. 

Fried Manders (1901-1978)

Auf dem schwarz-weißen Bild ist ein Mann in Anzug abgebildet. Er trägt ein Hemd und eine karierte Krawatte, in seinem Sakko steckt in der rechten Seite ein Tuch. Hinter ihm befindet sich ein mit Stoff überzogener Stuhl, auf dem er vermutlich sitzt. Die Lehne ist sehr hoch. Der Mann lächelt auf dem Foto etwas.
Fried Manders, Datum unbekannt
Quelle: Privatarchiv der Familie Manders

Als die Wehrmacht die Niederlande überfiel, war der 1901 in Princenhage geborene Fried Manders Bürgermeister in Leende (Nord-Brabant). Als er sich 1944 weigerte, eine Namensliste von Männern zusammenzutragen, die für die deutschen Besatzer Schutzwälle an der niederländischen Küste anlegen sollten, wurde er in Geiselhaft genommen und im Konzentrationslager Vught eingesperrt. Von dort brachte ihn die SS Anfang September 1944 in das KZ Sachsenhausen, nördlich von Berlin. 

Bergen-Belsen

Auf dem schwarz-weißen Bild sind viele Holzunterkünfte mit Blechdächern und Kaminen eines Lagers abgebildet. Es handelt sich um das KZ Bergen-Belsen. Im Vordergrund sieht man einen Stacheldrahtzaun, der mit einem Wachturm versehen ist. Der Zaun bietet eine Art Durchgang oder Durchfahrtmöglichkeit. Auf der linken Seite des Zauns stehen Menschen, auf dem Boden liegt Kleidung und in der Luft befindet sich Rauch - es sieht aus, als würden Teile des Lagers brennen. In der vorderen, linken Ecke des Bildes sieht man einen Mann, der kein Oberteil anhat. Auf der rechten Seite des Bildes sieht man ebenfalls einen vermutlich brennenden Teil des Lagers mit hölzernen Unterkunftsgebäuden.
Das KZ Bergen-Belsen nach der Befreiung im April 1945 Quelle: Danmarks Nationalleksikon

Anfang 1945 wurde das Lager wegen des Heranrückens der Roten Armee geräumt. Die Häftlinge wurden in andere Lager gebracht, zu Fuß oder in Zügen. Am 3. Februar 1945 wurde Fried Manders mit weiteren Niederländern per Bahn in das KZ Bergen-Belsen transportiert. Die Bedingungen in dem völlig überfüllten Lager waren katastrophal. Die Häftlinge hungerten, die medizinische Versorgung war zusammengebrochen, Flecktyphus brach aus. Manders und seinen Kameraden gelang es Ende März, sich für einen Transport mit unbekanntem Ziel einteilen zu lassen. Sie landeten in Bremen-Farge.

Todesmarsch

Abgebildet ist eine auf französisch geschriebene Karte. In Teilen markiert mit gelbem Textmarker. Die Karte zeigt das Gebiet um Hamburg und Bremen sowie Bremerhaven und Lüneburg. Eingezeichnet ist die Evakuierungsroute ab Bremen mit ihren Zwischenstopps. Anfangspunkt: Farge Blumenthal über Schwanewede, Uthlede, Hagen Bramstedt, Bokel, Stubbe, Kirchwistedt, Stubbe, Beverstedt, Barchel, Stade, Buxtehude und der Endpunkt Neuengamme gekennzeichnet mit einem Pfeil und den Buchstaben LNG.
Zeichnung vom ehemaligen französischen KZ-Häftling Pierre Billaux über die Evakuierungsmärsche ab Bremen im April 1945, Datum unbekannt
Quelle/ (c): Archiv Denkort Bunker Valentin / LzpB Bremen

Im KZ Farge blieben sie nur wenige Tage. Bereits am 10. April 1945 wurde das Lager evakuiert, weil britische Truppen von Westen aus vorstießen. Die erschöpften Gefangenen nannten diese Transporte Todesmärsche. Die Kolonne von Fried Manders endete schließlich in der Neustädter Bucht. Dort hatte Manders das Glück, kurzfristig von der „Cap Arcona“ auf die „Athen“ umgeschifft zu werden. Das Schiff war das einzige, das am 3. Mai 1945 nicht von den Bomben der Allliierten getroffen wurde. Ein belgischer Schiffer nahm Manders unter seine Fittiche und verschaffte ihm Kleidung. Am 24. Juni kam er zurück nach Leende.

Politische Karriere

Das sepiafarbene Bild zeigt einen Mann im Vordergrund, der einen Anzug trägt mit Hemd und Krawatte. er lacht in die Kamera. Hierbei handelt es sich um Fried Manders, welcher in seiner Funktion als Bürgermeister fotografiert wurde. Im Hintergrund sieht man viele verschiedene Menschen, darunter auch Kinder.
Fried Manders in seiner Funktion als Bürgermeister, Datum unbekannt
Quelle: Privatarchiv der Familie Manders

Wenige Monate nach seiner Rückkehr aus der Deportation wurde Fried Manders erneut zum Bürgermeister von Leende ernannt. Er zog im Folgejahr nach Zundert und wurde auch dort zum Bürgermeister gewählt. Weitere Ämter kamen dazu: Deichgraf des Wasserverbands Mark en Dintel, Mitglied des Provinzialrats von Nordbrabant. 1966 folgte dann die Wahl zum Abgeordneten im niederländischen Parlament, weshalb er das Amt als Bürgermeister aufgab. Vier Jahre später stellte er sich nicht mehr zur Wiederwahl und ging in den Ruhestand. 

Ein Block voller Erinnerungen

Abgebildet ist die Vorderseite eines älter aussehenden Schreibblocks mit der Schrift "EUROPA BLOC" und einer Weltkugel hinter diesem Schriftzug. Das Papier ist gelblich verblichen.
Notizblock von Fried Manders Quelle: Privatarchiv der Familie Manders

Manders notierte die Erlebnisse seiner Haftzeit in Deutschland kurze Zeit nach seiner Rückkehr aus der Deportation auf diesem Schreibblock. Die Monate der Haft wollte er als ein abgeschlossenes Kapitel seines Lebens behandeln und sich danach nur noch seiner politischen Karriere und seiner Familie widmen. So legte er den Block in eine abgeschlossene Schublade seines Büros und übergab den Schlüssel seiner Frau. Erst nach seinem vollendeten 18. Lebensjahr sollte sein im Februar 1945 geborener Sohn die Möglichkeit erhalten, sich mit dem Beschriebenen zu befassen. Über die KZ-Haft sprach Fried nie mit ihm.

Auf die Spuren von (Groß-)Vater Fried

Gezeigt werden vier Personen in der Natur. Rechts im Bild ist eine Frau mit Stirnband und Sonnenbrille auf dem Kopf, in der Hand hält sie in Klarsichtfolie eingepackte Notizzettel oder Bilder. Hierbei handelt es sich um Christel Trouvé, die wissenschaftliche Leitung des Denkort Bunker Valentin, die gerade die Familie von Fried Manders über das ehemalige Lagergelände führt. Links neben Christel steht ein Mann mit grüner Jacke und blauer Brille, neben ihm steht eine Frau mit flauschiger Jacke und rosafarbenem Schal, sie trägt dazu eine schwarze Mütze, und ganz links im Bild steht Goderd Manders mit Mütze und Brille sowie blauer Jacke, die Hände hat er in den Hosentaschen.
Begehung des ehemaligen Lagergeländes, Januar 2025 (v.l.n.r.: Goderd Manders und seine Eltern, Dr. Christel Trouvé)
Foto/ (c): Denkort Bunker Valentin / LzpB Bremen

Fried Manders verstarb Anfang 1978 im Alter von 76 Jahren. Den achtzigsten Jahrestag des Kriegsendes nahm seine Familie 2025 zum Anlass, die Orte zu besuchen, an denen er gelitten und die letzten Kriegsmonate überlebt hatte. Für seinen Sohn und seinen Enkel war es eine emotionale Reise, die es ihnen aber ermöglichte, die Stationen der Haft besser nachvollziehen zu können. „Auch ich möchte endlich Frieden schließen können“, sagte Enkel Goderd zu diesem Anlass.

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