Der Nachlass von Fried Manders
Ende Januar 2025 klingelte die Familie Manders an der Tür des Denkort. Zum ersten Mal begaben sich der Sohn, die Schwiegertochter und der Enkel des ehemaligen niederländischen Zwangsarbeiters Fried Manders (1901-1978) auf die Spuren seines Leidenswegs. Bei sich hatten sie Unterlagen, die Auskunft über seine Haft und die Zwangsarbeit in Farge gaben.
Fried Manders (1901-1978)
Als die Wehrmacht die Niederlande überfiel, war der 1901 in Princenhage geborene Fried Manders Bürgermeister in Leende (Nord-Brabant). Als er sich 1944 weigerte, eine Namensliste von Männern zusammenzutragen, die für die deutschen Besatzer Schutzwälle an der niederländischen Küste anlegen sollten, wurde er in Geiselhaft genommen und im Konzentrationslager Vught eingesperrt. Von dort brachte ihn die SS Anfang September 1944 in das KZ Sachsenhausen, nördlich von Berlin.
Bergen-Belsen
Anfang 1945 wurde das Lager wegen des Heranrückens der Roten Armee geräumt. Die Häftlinge wurden in andere Lager gebracht, zu Fuß oder in Zügen. Am 3. Februar 1945 wurde Fried Manders mit weiteren Niederländern per Bahn in das KZ Bergen-Belsen transportiert. Die Bedingungen in dem völlig überfüllten Lager waren katastrophal. Die Häftlinge hungerten, die medizinische Versorgung war zusammengebrochen, Flecktyphus brach aus. Manders und seinen Kameraden gelang es Ende März, sich für einen Transport mit unbekanntem Ziel einteilen zu lassen. Sie landeten in Bremen-Farge.
Todesmarsch
Im KZ Farge blieben sie nur wenige Tage. Bereits am 10. April 1945 wurde das Lager evakuiert, weil britische Truppen von Westen aus vorstießen. Die erschöpften Gefangenen nannten diese Transporte Todesmärsche. Die Kolonne von Fried Manders endete schließlich in der Neustädter Bucht. Dort hatte Manders das Glück, kurzfristig von der „Cap Arcona“ auf die „Athen“ umgeschifft zu werden. Das Schiff war das einzige, das am 3. Mai 1945 nicht von den Bomben der Allliierten getroffen wurde. Ein belgischer Schiffer nahm Manders unter seine Fittiche und verschaffte ihm Kleidung. Am 24. Juni kam er zurück nach Leende.
Politische Karriere
Wenige Monate nach seiner Rückkehr aus der Deportation wurde Fried Manders erneut zum Bürgermeister von Leende ernannt. Er zog im Folgejahr nach Zundert und wurde auch dort zum Bürgermeister gewählt. Weitere Ämter kamen dazu: Deichgraf des Wasserverbands Mark en Dintel, Mitglied des Provinzialrats von Nordbrabant. 1966 folgte dann die Wahl zum Abgeordneten im niederländischen Parlament, weshalb er das Amt als Bürgermeister aufgab. Vier Jahre später stellte er sich nicht mehr zur Wiederwahl und ging in den Ruhestand.
Ein Block voller Erinnerungen
Manders notierte die Erlebnisse seiner Haftzeit in Deutschland kurze Zeit nach seiner Rückkehr aus der Deportation auf diesem Schreibblock. Die Monate der Haft wollte er als ein abgeschlossenes Kapitel seines Lebens behandeln und sich danach nur noch seiner politischen Karriere und seiner Familie widmen. So legte er den Block in eine abgeschlossene Schublade seines Büros und übergab den Schlüssel seiner Frau. Erst nach seinem vollendeten 18. Lebensjahr sollte sein im Februar 1945 geborener Sohn die Möglichkeit erhalten, sich mit dem Beschriebenen zu befassen. Über die KZ-Haft sprach Fried nie mit ihm.
Auf die Spuren von (Groß-)Vater Fried
Fried Manders verstarb Anfang 1978 im Alter von 76 Jahren. Den achtzigsten Jahrestag des Kriegsendes nahm seine Familie 2025 zum Anlass, die Orte zu besuchen, an denen er gelitten und die letzten Kriegsmonate überlebt hatte. Für seinen Sohn und seinen Enkel war es eine emotionale Reise, die es ihnen aber ermöglichte, die Stationen der Haft besser nachvollziehen zu können. „Auch ich möchte endlich Frieden schließen können“, sagte Enkel Goderd zu diesem Anlass.