Perspektiven für Morgen

Rückblick auf das Austauschtreffen im Projekt „remembrance lab: Kids“

Am 16. und 17. Oktober 2025 fand im Bremer Norden ein Austauschtreffen im Projekt „remembrance lab: Kids“ statt. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie sich Kinder mit Unrecht im Nationalsozialismus (kurz: NS) auseinandersetzen. Neben dem Denkort Bunker Valentin, einem Referat der Landeszentrale für politische Bildung Bremen als Gastgeber, wurde das Programm von den teilnehmenden Expert:innen aus Gedenkstätten, Wissenschaft, Schule und Buchwesen gestaltet. Das Programm fand im Kulturbahnhof Vegesack (kuba) in Bremen-Vegesack statt und wurde durch einen Besuch des Denkort Bunker Valentin ergänzt.

Die Grafik zeigt eine bunte, gezeichnete Willkommensseite zum Projekt „remembrance lab: kids“ für ein Austauschtreffen. In der Mitte steht der Schriftzug „Herzlich Willkommen“, um den herum verschiedene Illustrationen und handschriftliche Notizen angeordnet sind. Zu sehen sind unter anderem Kinder und Erwachsene beim Lesen, Sprechen und Nachdenken sowie Symbole wie Bücher, eine Kaffeetasse und ein Computer. Textblasen betonen zentrale Aussagen wie „Nicht ob, sondern wie!“, „Wir müssen nicht alle Antworten kennen!“ und Hinweise zum offenen Umgang mit Emotionen. Die Illustration wirkt freundlich, niedrigschwellig und lädt zum Austausch und gemeinsamen Lernen ein.
Leinwand mit zentralen Themen und Impulsen aus dem Austauschtreffen im Projekt remembrance lab: kids.
(c) Denkort Bunker Valentin/LzpB Bremen, Grafik: Leefje Roy

Niedrigschwelliger, interaktiver und multiperspektiver Einstieg

Welche Bedeutung die Frage nach dem „Wie“ hat, zeigte zu Beginn des ersten Tages Andrea Becher (Bereich Sachunterrichtsdidaktik an der Universität Paderborn) in ihrem Vortrag „Erinnerungskultur (er-)leben und gestalten – Die Zeit des Nationalsozialismus mit Kindern im Grundschulalter thematisieren“. Ein besonderer Fokus im Vortrag lag auf der kritischen Auseinandersetzung mit historischen Quellen, der Reproduktion von Diskriminierung, der Entpersonalisierung jüdischer Menschen und der Pauschalisierung von Lebensrealitäten. Wichtig in der Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus ist die Auseinandersetzung mit der jeweiligen gesamten Lebensgeschichte eines Menschen und nicht nur dessen Leidensweg während des Nationalsozialismus, sowie die Einbettung individueller Biografien in soziale, kulturelle, politische und wirtschaftliche Prozesse und Strukturen. Diese unterschiedlichen Perspektiven können auch zur Einordnung von Kinderbüchern genutzt werden, wie Andrea Becher in einer Session am Folgetag zeigte. 

Im Zentrum der anschließenden Fishbowl-Diskussion, ein offenes Diskussionsformat, bei dem Zuhörende jederzeit in die Gesprächsrunde miteinsteigen können, stand die Frage „Wie können Kinder über Identifikation und Reflexion Zugang zur Geschichte und zu den Schicksalen der Verfolgten finden?“. Andrea Becher, Michael Otten (Lehrkräfteausbildung an der Universität Vechta), Petra Maurer (freie Mitarbeiterin am Denkort Bunker Valentin und Inhaberin des Buchladens „Leseland“) und Ksenja Holzmann (pädagogische Mitarbeiterin am Denkort Bunker Valentin und Projektleitung) teilten ihre Perspektiven und Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit Kindern.

Am Mittag lernten die Teilnehmenden den Denkort Bunker Valentin durch eine Führung von Mandy Trepte (freie Mitarbeiterin am Denkort Bunker Valentin) kennen. Auch Kinder zwischen 8 und 14 Jahren gehören zu den täglichen Besucher:innen des Denkorts. Seit 2018 steht Kindern über eine App ein altersgerechter Zugang zur Thematik zur Verfügung. Die Teilnehmenden konnten diesen nach Download der App ebenfalls selbst kennenlernen. Zurück im kuba boten abends drei Thementische und ein gemeinsames Abendessen Raum für Reflexion und Austausch über zukünftige Angebote für Kinder.

Auf dem Bild steht eine Gruppe von Erwachsenen an einem runden Stehtisch. Die Personen sind in eine gemeinsame Aufgabe vertieft und schreiben ihre Ideen auf Papier, das auf dem Tisch ausgebreitet liegt. Auf dem Tisch stehen zudem mehrere Wasserflaschen und eine Tasse. Alle tragen Namensschilder und scheinen miteinander im Austausch zu sein. Im Hintergrund ist eine Pinnwand mit Zetteln und Stichworten zu erkennen.
Teilnehmende des Austauschtreffens sammeln ihre Ideen für die Sessions.
(c) Denkort Bunker Valentin/LzpB Bremen, Foto: Henry Fried

Den Menschen in den Mittelpunkt stellen

Der zweite Tag war im Barcamp-Format gestaltet. Teilnehmende wurden zu sogenannten Teilgebenden und tauschten sich ausgehend von der jeweils eigenen Expertise in neun Sessions zu Themen und Fragestellungen aus, welche sie selbst vorgeschlagen hatten. Einen vertiefenden Einblick in die Sessions gibt es hier. [HK(2] 

Ausgehend von den Beiträgen in den Sessions und den Diskussionsrunden während des Austauschtreffens entstand eine Sammlung potenzieller Ziele der historisch-politischen Bildungsarbeit mit Kindern. 

Im Mittelpunkt der Vermittlungsarbeit stehen Gegenwartsbezüge und das Stärken demokratischer Werte. Gleichzeitig sollen die Interessen von Kindern, wie Tiere und Pflanzen an Gedenkstätten, Raum finden. Für Multiplikator:innen sind der Austausch untereinander, regelmäßige Aufklärungsangebote und das Überwinden eigener Hemmungen wichtige Ziele. Ebenso ist es zentral, Kinderperspektiven ernst zu nehmen und (Kinder-)Bücher auch außerhalb des Deutschunterrichts in der Vermittlungsarbeit zu nutzen. Dabei gilt für Multiplikator:innen: „Auch wir müssen nicht alle Antworten kennen!“

Auf dem Bild sind zwei Erwachsene zusehen, die miteinander im Gespräch sind. Beide halten Papierunterlagen in den Händen und scheinen diese gemeinsam zu betrachten. Die Person links lächelt und wendet sich der Person rechts zu, die aufmerksam auf das Blatt schaut. Im Hintergrund sind weitere Teilnehmende sowie technische Ausstattung wie Lautsprecher zu erkennen. Beide Personen tragen Namensschilder. Die Szene vermittelt einen Eindruck von persönlichem Austausch und gemeinsamer inhaltlicher Arbeit.
Teilnehmende des Austauschtreffens beim "Kennenlern-Bingo".
(c) Denkort Bunker Valentin/LzpB Bremen, Foto: Henry Fried

Download

Bericht über die Barcamp Sessions (pdf, nicht barrierefrei)

am 17. Oktober 2025 im Kulturbahnhof Bremen-Vegesack

mit Zeichnungen von Leefje Roy

 

Auf dem Bild steht eine Gruppe von Erwachsenen im Freien vor dem massiven Betonbau des Bunker Valentin. Die Personen stehen in einem lockeren Kreis und hören offenbar einer Person zu, die etwas erklärt. Im Hintergrund ist der hohe, graue Bunker mit sichtbaren Altersspuren zu sehen, umgeben von Grünflächen und Bäumen. Rechts im Bild stehen Informationstafeln des Denkortes, links begrenzt ein Zaun das Gelände. Die Szene vermittelt den Eindruck eines geführten Austauschs oder Rundgangs am historischen Ort.
Führung der Tagungsgruppe über das Außengelände des Denkort Bunker Valentin.
(c) Denkort Bunker Valentin/LzpB Bremen, Foto: Henry Fried

Danke

Ein herzliches Dankeschön gilt allen Teilnehmenden und ihren bereichernden Beiträgen. Besonders danken wir Petra Maurer, Ela Fischer, Andrea Becher und Malte Jelschen, welche das Projekt „remembrance lab: Kids“ auch weiterhin als Gremiumsmitglieder unterstützen werden. Zudem wurde das Treffen ermöglicht durch das Team des Kulturbahnhof Vegesack, dem Catering des DEM-Cafés, der technischen Unterstützung durch Daniel Mittmann, dem Fotografen Henry Fried, der Tontechnikerin Merle Hormes, der Illustratorin Leefje Roy, und vielen freiwilligen Helfer:innen. 

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